Pfennig-Magazin zur Journalliteratur

The third issue of the »Pfennig-Magazin zur Journalliteratur« is published under the title Grenzen überschreiten Rezipienten-, Text-, Format- und Variantenwanderungen im Taschenbuch zum geselligen Vergnügen auf das Jahr 1823 (ISBN 978-3-86525-675-1).

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Hält der stolze Besitzer seinen frisch erworbenen 1823er Band von Amadeus Wendts Taschenbuch zum geselligen Vergnügen in Händen, so erblickt er zuerst die Rückenansicht eines Mannes, der auf einer Fensterbrüstung lehnt. Die Produzenten des Taschenbuchs übertragen offensichtlich das zu dieser Zeit im Fensterbild-Genre gängige Motiv der Abgrenzung von Innen- und Außenwelt auf die Vorderseite des kleinformatigen und entsprechend begrenzten Büchleins. Papierne Schutzumschläge, Ziereinbände, Kupferstiche und eine Vielzahl unterschiedlicher Schriftbeiträge – diese unvollständige Auflistung deutet die vielfältigen Möglichkeiten lediglich an, die den Taschenbuchproduzenten im 19. Jahrhundert zur Verfügung stehen, um die aus der Kalendertradition hervorgegangenen periodischen Büchlein äußerlich und innerlich zu gestalten.

Schlägt der Leser nun das Taschenbuch auf, so trifft er auf ein weiteres typisches Ausstattungselement: den Kupfertitel. Der Nachstich von Raffaels Madonna aux linges entpuppt sich bei genauem Hinsehen jedoch nicht, wie es zunächst scheint, als von der Buchvorderseite unabhängig. Im Gegenteil: der Raffael-Stich weist den Rezipienten darauf hin, dass er mit dem Buchdeckel eine Grenze überschritten hat. Er durchwandert ein noch unbekanntes paratextuelles Dickicht, in dem ihm eine Menge bild- und schriftförmige Texte begegnen, deren Zusammensehen und -lesen ihn in immer vielschichtigere Sinnzusammenhänge verwickeln, bis in Ludwig Tiecks »Die Reisenden« die Grenzen vor seinen Augen zu verschwimmen beginnen…

 


The second issue of the »Pfennig-Magazin zur Journalliteratur« is published under the title Garderobenwechsel. »Das Fräulein von Scuderi« in Taschenbuch, Lieferungswerk und Journal (1819-1871) (ISBN 978-3-86525-643-0).

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In gut fünf Jahrzehnten nach seiner ersten Veröffentlichung im Herbst 1819 im Taschenbuch für das Jahr 1820. Der Liebe und Freundschaft gewidmet ist »Das Fräulein von Scuderi« in unterschiedlichen Medienformaten siebzehn weitere Male abgedruckt worden: in einem Unterhaltungsblatt, einem Lieferungswerk, in Erzählanthologien und Werkausgaben und schließlich auch monographisch. Die Forschung zu Hoffmanns Erzählung trägt diesem Sachverhalt kaum Rechnung, verweist gelegentlich noch auf die ersten Abdrucke, bezieht sich aber wie selbstverständlich auf moderne Werkausgaben. »Das Fräulein von Scuderi« gelangt so als gleichsam abstrakter, vom jeweiligen Erscheinungsort und -bild unabhängiger ›Text‹ in den Blick.

Die vorliegende, aus dem Teilprojekt »Optische Auftritte: mise en page in Journal- versus Buchliteratur« der DFG-Forschergruppe 2288 »Journalliteratur« hervorgegangene Studie sucht die zahlreichen Abdrucke des »Fräuleins von Scuderi« hingegen als materiale Objekte ernst zu nehmen. Jede dieser Veröffentlichungen gibt der Erzählung ein spezifisches Gepräge, mit dem sie sich auf dem jeweiligen literarischen Markt in Szene setzt und der zeitgenössischen Rezeption Lektüreangebote macht. »Das Fräulein von Scuderi« setzt sich zu diesem Sachverhalt ins Verhältnis, lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums um auf die Funktionsweisen und semantischen Implikationen der unterschiedlichen Medienformate und schlägt aus den jeweiligen ›Auftritten‹ ungeahntes ästhetisches Kapital.

 


 

The first issue of the »Pfennig-Magazin zur Journalliteratur« is published under the title Journalliteratur – ein Avertissement (ISBN 978–3–86525–571–6).

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Als verstünde sich das von selbst, denken wir Literatur buchförmig und als Schrifttexte. Dabei kam seit Ende des 18. Jahrhunderts ein Großteil der im weiteren wie engeren Sinn literarischen Publikationen in Journalen auf den Markt: Zeitungen, Zeitschriften, literarischen Taschenbüchern und verwandten periodischen Printmedien. Nimmt man die Materialität journal-literarischer Textform sowie die medien-spezifische Distributionsweise ernst, so wird evident, daß die Rezipient/inn/en des 19. Jahrhunderts, selbst wenn der Wortlaut von Schriftbeiträgen oder die visuelle Form von Abbildungen identisch sind, ganz anderes gelesen haben als wir in unseren modernen buchförmigen Neuausgaben. Denn der journalliterarische Text erscheint im medialen Verbund anderer Schrift- und Bildtexte, er präsentiert sich nicht als geschlossenes Kunstwerk, sondern prinzipiell auf Fortsetzung angelegt, womöglich in Lieferungen gebrochen.

Dieses literatur-, medien- und kunstgeschichtliche Forschungsdesiderat im Wortsinn sichtbar zu machen, um von da aus Fragen aufzufächern und ein material-philologisches Erschließungsangebot zu skizzieren, unternimmt das erste Heft des »Pfennig-Magazins zur Journalliteratur«. Flankierend zur buchförmigen Reihe »Journalliteratur«, in der die DFG-Forschergruppe »Journalliteratur: Formatbedingungen, visuelles Design, Rezeptionskulturen« ihre Ergebnisse vorlegen wird, stellen die Hefte des »Pfennig-Magazins« im Format von Brockhaus’ »Pfennig-Magazin der Gesellschaft zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse« (zuerst 1833) Projektideen, Fallstudien und thematisch affine kleinere Publikationen vor.

 


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